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Gewebe sind mehr als sie sind
Uli Fischer sagt, dass er mit alten, gebrauchten, zum Teil fragmentarischen textilen Materialien arbeitet, ist die Konsequenz seiner künstlerischen Entwicklung.
Die vom alltäglichen Gebrauch, im Sinne des Wortes: vom Leben gezeichneten Textilien vermitteln mit ihrer Patina neben ihrer empirischen Geschichte (Alter, Material, Funktion etc.) auch die verlorenen Erinnerungen an diejenigen, die die Textilien benutzt haben und an deren Schicksal (Freude, Leid, Sorge etc.).
Es findet vielmehr eine Transformation statt, wobei die Zeit über die Patina zu Material wird. Zeit wird durch die Patina und Spuren des Gebrauchs wahrnehmbar. Die Patina wird zum Medium seiner künstlerischen Arbeit.
Bei den Geweben, mit denen er arbeitet, handelt es sich in der Regel um Textilien des Alltags, deren Patina durch profane Handlungen und im Lauf der Zeit entstanden Spuren des Gebrauchs wie Abrieb, Flecken, Reparaturen, Löcher, Risse und so weiter, man könnte auch von Verletzungen, von Narben, die das Leben hinterlassen hat, sprechen.
Entscheidend für die Auswahl der Materialien ist jedoch die gesamte Spezifik des Gewebes, nicht nur die ›Verletzungen‹. Es findet eine Interaktion zwischen ihm und dem Material statt, wobei die grundsätzliche Frage ist: kann das, was ihn an dem Stoff angesprochen hat, für sich stehen, oder öffnen sich Türen für etwas Anderes, das über den Stoff hinausgeht, etwa das er in Kombination mit diversen Materialien zum Teil dieses Anderen wird.
Berlin, 09/21
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